Das berühmte Vitamin B (Beziehungen). Jeder kennt es und jeder hat es vermutlich schon mal benutzt. Generell ist mit dem Begriff ja eher was Negatives verbunden. Aber ist das wirklich so?

Grundsätzlich wird im Vitamin B eine schwächere Form der Vetternwirtschaft gesehen. Das heißt, es werden zwar Türen geöffnet aber um den Rest muss man sich noch immer selber kümmern. Ist das nun grundsätzlich schlecht? Ich finde nicht, so lange eine Anstellung oder ähnliches noch immer aufgrund der Qualifikation und nicht aufgrund der Person geschieht die mir die Tür geöffnet hat.

Man weiß ja wie man theoretische zu einem Job kommt:

Firma hat eine freie Stelle - von der zuständigen Person für Personalmanagment wird ein Anforderungsprofil erstellt - dieses wird in Form einer Stellenausschreibung in diversen Zeitungen, Internetportalen oder auch über AMS und EURES veröffentlicht - es bewerben sich ungefähr 30 Personen für die Stelle - die besten 6 werden für ein Vorstellungsgespräch eingeladen - Wer sich in einer halben Stunde am Besten präsentiert bekommt den Job.

Alles schön strukturiert und scheinbar fair. Aber ist die Variante fair? Wer bekommt den eine Einladung für ein Vorstellungsgespräch? All jene die Neben ihrem Studium 50 unbezahlte Praktika usw. gemacht haben, sich sozial engagiert und und und. Und das kann man natürlich nur machen wenn man nicht auf selbst verdientes Geld angewiesen ist.

Die andere Variante funktioniert so:

Du suchst einen Job - fragst deinen Onkel ob er nicht was weiß - der sagt: ja ich kenn da einen, den frag ich mal - der Onkel fragt und der wollte gerade eine Stelle ausschreiben, weil du das Anforderungsprofil erfüllst sagt er: schick ihn doch mal vorbei - du stellst dich vor, wirkst sympathisch und kompetent also bekommst du den Job.

Klingt zwar nicht fair, aber ist genau betrachtet auch nicht unfair. Weil beim persönlichen Gespräch muss man sich ja trotzdem noch immer selbst beweisen. Es ist halt eine Abkürzung, man muss mit seiner Bewerbung nicht aus zig anderen herausstechen (was ja nicht immer so leicht ist). Ein Chef (Personalleiter....) wird halt immer mal rumfragen (in seinem Netzwerk) ob man nicht jemanden kennt für eine freie Stelle. Und wenn man dann genau den richtigen in der Firma kennt, warum nicht? Er wird dich eh nicht vorschlagen wenn er von dir nicht überzeugt wäre.

Bedenklich ist das Vitamin B sicher dann wenn es in einem Austauschhandel ausartet: Du nimmst ihn auf, dafür mach ich das für dich. So sollte es nicht laufen. Aber eine Abkürzung zu nehmen und sich dadurch viel Stress zu ersparen kann nicht schlecht sein. Dafür baue ich ja mein Netzwerk auf. Ansonsten könnte ich es mir ja eh ersparen und auf die Objektivität der Stellenausschreibungen hoffen.